Klima-Allianz Schweiz - Medienmitteilung, 12. September 2025
Bundesratsvorschlag zur Klimapolitik geht an der Realität vorbei
Bei der heutigen Veröffentlichung der neuen Eckdaten für den Klimaschutz in der Schweiz verweigert der Bundesrat eine ausreichende Weiterentwicklung der Klimapolitik ab 2031 und nutzt seinen Handlungsspielraum nicht aus. Er will den Ausstoss von Treibhausgasen weiterhin durch die Allgemeinheit subventionieren und die Schweizer Emissionsbilanz durch zweifelhaften Ablasshandel - mittels Emissionsreduktionen im Ausland - schönrechnen. Damit nimmt der Bundesrat häufigere und gefährlichere Klimafolgen in Kauf. Das vom Volk vorgegebene Ziel, bis 2050 auf Netto-Null Treibhausgase zu kommen, wird so unerreichbar.
Die Klima-Allianz Schweiz ordnet die vom Bundesrat veröffentlichte Richtung für den Klimaschutz als klar ungenügend ein:
«2017 hat die Schweiz das Pariser Abkommen ratifiziert und vor zwei Jahren hat das Stimmvolk mit dem Klimaschutzgesetz dem Bundesrat einen klaren Auftrag für eine griffigere Klimapolitik erteilt. Mit den heute veröffentlichten Eckpunkten der Klimapolitik bis 2040 verkennt der Bundesrat den Ernst der Lage. Die notwendige Reduktion der Emissionen ist so nicht zu schaffen», erklärt Georg Klingler, Klima-Experte bei Greenpeace.
«Die Instrumente für einen wirkungsvollen und sozialverträglichen Klimaschutz sind bekannt, diese hat die Klima-Allianz jüngst im Klima-Masterplan vorgestellt, doch der Bundesrat will ein weiter wie bisher trotz eindeutig ungenügender Erfolgsbilanz», erklärt Klima-Experte Patrick Hofstetter vom WWF.
Der vorgeschlagene Weg des Bundesrates gefährdet die Beschränkung der globalen Erwärmung auf möglichst 1.5°C. Die Schweizer Klimapolitik soll nach Willen des Bundesrates ein inkohärenter Flickenteppich bleiben:
Es ist nicht erkennbar, wie die Vorschläge vom Bundesrat die notwendige und demokratisch legitimierte Dekarbonisierung der Schweiz erreichen sollen.
Die Neuerung im Emissionshandelssystem könnte allenfalls interessant sein. Dies hängt jedoch davon ab, wie sie schlussendlich umgesetzt wird.
Als Neuerung schlägt der Bundesrat vor, die heutige CO2-Abgabe und die Kompensationspflicht für Treibstoffimporteure durch ein Emissionshandelssystem abzulösen. Dieser Vorschlag hält die Klima-Allianz grundsätzlich für interessant, falls die Ausgestaltung des EHS griffig ist.
Damit das System die Schweizer Klimapolitik tatsächlich weiterentwickeln kann, muss es so ausgestaltet werden, dass
Gemäss aktuellen Berechnungen des Bundes verursacht eine Tonne CO2 Klimaschäden in der Höhe von 430 Franken. Solange CO2 gratis oder zu einem Preis, der deutlich unter den Klimaschadenskosten liegt, ausgestossen werden darf, entspricht dies einer Subvention der Klimaverschmutzung durch die Allgemeinheit. Zudem wird das Problem so von den älteren auf die jüngeren Generationen verlagert. Das gilt auch, wenn die CO2-Abgabe auf dem heutigen Niveau beibehalten wird.
Die Einnahmen aus der Versteigerung der Emissionsrechte müssen vollumfänglich für die CO2-Reduktion, die soziale Abfederung und die Anpassung an Klimagefahren im In- und Ausland - beispielsweise für Bergtäler, Landwirtschaft, überflutete Infrastrukturen und überhitzte Wohngebiete - eingesetzt werden. So kann Klimaschutz fair und im Einklang mit der Unterstützung sozial schlechter gestellter und strukturell benachteiligter Gruppen wie Armutsbetroffenen oder der Bergbevölkerung wirken.
Die Klima-Allianz verlangt, dass der Bundesrat seine Vernehmlassungsvorlage einem Realitätscheck unterzieht. Die Klimakrise ist längst in der Schweiz angekommen, doch die Klimapolitik bleibt ungenügend. Es braucht jetzt Aufträge zur sofortigen Umsetzung der bestehenden klimarelevanten Gesetze (CO2-Gesetz, Klimaschutzgesetz, Umweltschutzgesetz und Energiegesetz) und neue wirksame Instrumente, die der realen Klimaentwicklung Rechnung tragen und die Schweiz auf Klimaschutz-Kurs bringen. Das heisst, dass die bevorstehende CO2- Gesetzesrevision die zunehmende Ziellücke schliessen muss.
Jedes weitere Jahr, das mit der Ausarbeitung völlig ungenügender Vernehmlassungsvorlagen vertan wird, wird uns schon sehr bald sehr teuer zu stehen kommen.
Anfang Juni hat die Klima-Allianz Schweiz ihren dritten
Klima-Masterplan lanciert. Darin macht das Netzwerk aus über 150
Organisationen klar: 1. Es muss dringend gehandelt werden, und 2. Die
Lösungen zur Erfüllung des Pariser Klimaversprechens für die Schweiz
sind vorhanden. Die Autor:innen verdeutlichen die unzulängliche
Nutzung der existierenden Lösungen an einem konkreten Instrumenten-Mix
in unterschiedlichen thematischen Handlungsfeldern - vom Landverkehr
bis zur Klimafinanzierung. Mit Instrumenten wie diesen ist die
Überwindung der bestehenden Hürden zu schaffen.
Der vollständige Klima-Masterplan ist hier abrufbar und hier die
zusammengefasste Version.
https://www.klima-allianz.ch/kampagnen/klima-masterplan-schweiz-2025/
https://www.klima-allianz.ch/wp-content/uploads/Zusammenfassung_Klima_Masterplan_Schweiz_DE.pdf
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Quelle:
Medienmitteilung, 12. September 2025
Klima-Allianz Schweiz
c/o Impact Hub Geneva-Lausanne SA
Rue Fendt 1, 1201 Genf
E-Mail: team@klima-allianz.ch
Internet: https://www.klima-allianz.ch
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 19. September 2025
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