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INTERNATIONAL/418: Skandal um Adidas-Plagiat - Sportartikelhersteller will indigene Gemeinde entschädigen (Philipp Gerber)


Skandal um Adidas-Plagiat: Sportartikelhersteller will indigene Gemeinde entschädigen

von Philipp Gerber, 12. August 2025


Mexiko-Stadt. Der deutsche Sportartikelhersteller Adidas hat sich nach der Design-Kopie einer indigenen Sandale entschuldigt. Das Unternehmen erklärte sich bereit, eine zapotekische Gemeinde finanziell zu entschädigen und sicherte im Namen des Gouverneurs von Oaxaca, Salomón Jara Cruz, eine "Wiedergutmachung des Schadens an der Gemeinde von Villa Hidalgo Yalálag" zu.

Zuvor forderte die Gemeindeversammlung von Villa Hidalgo Yalálag den Weltkonzern mit Sitz im fränkischen Herzogenaurach auf, die Produktion und Vermarktung ihres Schuhmodells "Oaxaca Slip On" unverzüglich einzustellen, da das gewebte Element der Huarache genannten Sandale "repräsentativ für unsere Gemeinde ist" (amerika 21 berichtete [1]).

Auch der Modedesigner Willy Chavarría räumte ein, dass die Markteinführung des Adidas-Schuhs respektlos war: "Ich bedauere zutiefst, dass dieses Design den Namen übernommen hat und nicht in direkter und ernsthafter Zusammenarbeit mit der Gemeinde in Oaxaca entwickelt wurde."

Nachdem sowohl der Gouverneur Jara Cruz als auch die Präsidentin von Mexiko, Claudia Sheinbaum, den Fall als eine Form der unzulässigen kulturellen Aneignung bezeichneten und eine Entschädigung gemäß dem Gesetz über das Kulturerbe der indigenen Bevölkerung forderten, trafen sich die Kunsthandwerker und Gemeindevorsteher von Yalálag am Montag mit den Behörden, um das weitere Vorgehen im Fall Adidas zu besprechen.

Zum Angebot von Adidas, die Gemeinde entschädigen zu wollen, äußern sich kritische Stimmen aus der Region. So betonte [2] der Aktivist Aldo González Rojas von der indigenen Organisation UNOSJO, dass eine Entschädigung den entstandenen Schaden nicht reparieren könne, da diese kollektiven Werte nicht einer kapitalistischen Logik entsprechen. "Das Wissen der indigenen Völker verkauft sich nicht an den Meistbietenden." Die Logik der Patente oder der Lizenzgebühren bricht mit der kommunitären Organisationsform des Lebens. "Es geht nicht nur um Geld, sondern darum, dass die Gemeinden ihre Kultur frei leben können", sagte González.

Für den pensionierten Lehrer Joel Aquino, einen bekannten Aktivisten aus Yalálag, ist dieser Plagiatsfall "ein gravierender Angriff auf die Autonomie und Selbstbestimmung der Völker". Am 9. August, dem internationalen Tag der indigenen Völker, erklärte Aquino während des III. Internationalen Kongresses für Gemeinschaftlichkeit, die Schuhwerkstätten in Yalálag sichern seit über 100 Jahren den Lebensunterhalt von etwa 50 Familien. Diese ökonomische Basis helfe, "unsere Kultur am Leben zu erhalten."

Aus diesen Schuhwerkstätten seien Personen hervorgegangen, welche die Gemeinschaft ehrenamtlich regieren. "Jetzt stiehlt Adidas dieses Huarache-Modell. Doch was nützt es uns, wenn das Unternehmen die Gemeinde mit zwei oder drei Millionen Pesos entschädigt?", fragt Aquino. Er bedauert, dass gleichzeitig die Marginalisierung der rund 10.000 Dörfer in Oaxaca weitergehe und die Regierung Megaprojekte vorantreibe, welche die Existenz der indigenen Gemeinden gefährde.


Anmerkungen:
[1] https://amerika21.de/2025/08/276464/mexiko-adidas-kulturelle-aneignung
[2] https://www.nvinoticias.com/oaxaca/general/apropiacion-cultural-no-se-resuelve-con-dinero-activista/176625

Quellen:
https://www.nvinoticias.com/oaxaca/general/apropiacion-cultural-no-se-resuelve-con-dinero-activista/176625
https://fabricadeperiodismo.com/noticias/adidas-disculpa-oaxaca-sandalias-chavarria/


Erstveröffentlicht auf amerika21:
https://amerika21.de/2025/08/276504/plagiat-adidas-will-oaxaca-entschaedigen

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Quelle:
© 2025 by Philipp Gerber
Mit freundlicher Genehmigung des Autors

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 15. August 2025

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