Mexiko: Zapatisten warnen nach Räumungen vor Eskalation
von Philipp Gerber, 1. Oktober 2025
Tuxtla Gutiérrez. Die Zapatisten haben ihre Vertreibung von einem Grundstück öffentlich gemacht. Bei der Vertreibung können die angeblichen Besitzer auf die Unterstützung von staatlichen Stellen zählen. Das Ackerland im Dorf Belén in der Gemeinde Ocosingo war seit dem Aufstand von 1994 in ihrem Besitz und wurde von zapatistischen und nicht-zapatistischen Familien gemeinsam mit Mais bepflanzt. Gemäß der Versammlung der Kollektive der zapatistischen autonomen Regierungen beanspruchen nun 30 Personen aus der Gemeinde Huixtán das Landstück, angeblich mit einem Landtitel. Aufgrund der Drohungen dieser Personen während der letzten Monate zogen sich die Zapatistas zurück, um ihre Verteidigung zu planen.
Mitte September bezogen 15 Personen aus Huixtán auf dem Grundstück Stellung. Sie wurden von neun Pickups der Armee, der Polizei von Ocosingo sowie der Staatsanwaltschaft eskortiert. Die indigene Bewegung veröffentlichte Fotos und Videos [1], welche den Konvoi "im Dienste der Finqueros von Huixtlán" dokumentieren. Die angeblichen Besitzer zündeten die Unterkünfte an und stahlen den angepflanzten Mais. Verhandlungen sind bisher gescheitert.
Die Staatsanwaltschaft von Chiapas bestätigte in einer Pressemitteilung [2], dass das 47 Hektar umfassende Grundstück namens Copropiedad Huixtán "in Anwesenheit von Ordnungskräften und unter Beisein der Regierungsdelegation von Ocosingo" an die Eigentümer übergeben worden sei. Im Inneren des Geländes hätten sich keine Personen befunden, zwei Holzhäuser mit Blechdächern seien zerstört worden, so die Behörden.
Die Versammlung der Kollektive der zapatistischen autonomen Regierungen erinnerte daran, dass die ursprünglichen Besitzer dieses Landstücks 1996 vom Staat entschädigt wurden. Im Zuge des bewaffneten indigenen Aufstands von 1994 besetzten die Unterstützer der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) insgesamt 41.937 Hektar Land, welches sich Grossgrundbesitzer angeeignet hatten. Eine Reihe von weiteren Bauernorganisationen nutzten den politisch günstigen Moment ebenfalls für Landnahmen in Chiapas. Rund 400 Grossgrundbesitzer aus Ocosingo, Altamirano und Las Margaritas waren von der Rebellion ihrer Landarbeiter betroffen.
Der Staat entschädigte einen Grossteil der Finqueros, wobei die Regierung diese Entschädigungszahlungen nie transparent machte, wie die Juristin Magdalena Gómez betonte [3]. Die Rechtsunsicherheit der besetzten Ländereien ist der Auslöser für die meisten Angriffe auf die zapatistische Basis, die das Land bewirtschaftet.
In ihrem Protestschreiben beschuldigt die Aufstandsbewegung die Regierung, "Konfrontationen und Auseinandersetzungen" provozieren zu wollen. "Wir haben gesagt, dass wir keinen Krieg wollen, wir wollen ein gemeinschaftliches Zusammenleben, aber sie zwingen uns, uns zu verteidigen", drohten die zivilen zapatistischen Instanzen in ihrem Schreiben.
Anmerkungen:
[1] https://enlacezapatista.ezln.org.mx/2025/09/29/imagenes-para-la-mananera-de-los-finqueros/
[2] https://www.fge.chiapas.gob.mx/Prensa/Articulo/EF957F9A-E509-47E6-97E1-AF8A6422067B
[3] https://www.jornada.com.mx/noticia/2023/12/05/opinion/las-tierras-recuperadas-por-el-zapatismo-285
Quellen:
https://enlacezapatista.ezln.org.mx/2025/09/28/denuncia-asamblea-de-colectivos-de-gobiernos-autonomos-zapatistas-a-c-g-a-z/
https://www.jornada.com.mx/noticia/2025/09/29/estados/zapatistas-denuncian-ataque-y-despojo-de-predio-cometidos-con-ayuda-militar
Erstveröffentlicht auf amerika21:
https://amerika21.de/2025/10/277173/chiapas-zapatisten-warnen-vor-eskalation
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Quelle:
© 2025 by Philipp Gerber
Mit freundlicher Genehmigung des Autors
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 2. Oktober 2025
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