Deutsche Stiftung Weltbevölkerung - 28. August 2025
Zivilgesellschaft protestiert gegen geplante Zerstörung von Verhütungsmitteln
Berlin, 28.08.2025 - Verhütungsmittel im Wert von 9,7 Millionen US-Dollar lagern noch immer in einer Halle in Belgien, um gemäß den Plänen der US-Regierung in Frankreich vernichtet zu werden, obwohl sie noch mehrere Jahre haltbar sind. Um dies zu verhindern hat sich die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) gemeinsam mit 15 Partnerorganisationen an Bundeskanzler Friedrich Merz, Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan sowie Bundesaußenminister Johann Wadephul gewandt. In einem offenen Brief appellieren sie an die Bundesregierung, die geplante Vernichtung zu stoppen und gemeinsam mit internationalen Partner*innen die Mittel über geeignete Kanäle dorthin zu bringen, wo sie dringend gebraucht werden.
"Was hier droht, ist eine mutwillige Zerstörung reproduktiver Gesundheitsversorgung unter den Augen europäischer Regierungen", erklärt Ludi Schlageter, politische Leiterin der DSW. Die Vernichtung dieser Mittel habe dramatische Folgen. Laut Berechnungen des Guttmacher Instituts könnte sie zusätzlich zu etwa 362.000 unbeabsichtigten Schwangerschaften, 161.000 ungeplanten Geburten, und 110.000 unsicheren Schwangerschaftsabbrüchen führen. "Wenn konkrete Lösungsvorschläge ignoriert und die Mittel stattdessen vernichtet werden, ist das ein Versagen politischer und humanitärer Verantwortung", mahnt Schlageter.
Tatsächlich haben mehrere Organisationen, darunter der UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) und MSI Reproductive Choices, der US-Regierung bereits angeboten, die Bestände zu übernehmen und in Länder mit hohem Bedarf weiterzuleiten. Bisher jedoch ohne Erfolg. Das Vorgehen reiht sich ein in eine systematische Einschränkung reproduktiver Rechte durch die US-Regierung, die mit der Wiedereinführung der sogenannten Global Gag Rule durch Donald Trump und der gezielten Kürzung von Entwicklungsgeldern begonnen wurde.
Angesichts der Rolle Deutschlands in der globalen Gesundheitsversorgung appellieren die unterzeichnenden Organisationen an die Bundesregierung, ihrer Verantwortung gerecht zu werden.
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Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) · Torstr. 49 · 10119 Berlin
Bundeskanzleramt
Herrn Bundeskanzler
Friedrich Merz
Willy-Brandt-Straße 1
10557 Berlin
und
Bundesminister des Auswärtigen
Herrn Dr. Johann Wadephul
Werderscher Markt 1
10117 Berlin
und
Bundesministerin für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung
Frau Reem Alabali Radovan
Stresemannstraße 94
10963 Berlin
Berlin, 28.08.2025
Vernichtung von Verhütungsmitteln im Wert von rund 9,7 Mio. US-Dollar durch die US-Regierung
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
sehr geehrter Herr Bundesminister,
sehr geehrte Frau Bundesministerin,
wir, ein Bündnis von 16 zivilgesellschaftlichen Organisationen, wenden uns anlässlich der geplanten Vernichtung von Verhütungsmitteln im Wert von rund 9,7 Millionen US-Dollar an Sie. Die Produkte waren ursprünglich für USAID-Programme zur Familienplanung und reproduktiven Gesundheit vorgesehen, die Anfang des Jahres von der US-Regierung eingestellt wurden. Berichten zufolge lagern die Bestände derzeit in Belgien und sollen zur Verbrennung nach Frankreich überführt werden - obgleich zahlreiche der Produkte noch bis 2027, teilweise sogar bis 2031 haltbar sind.
Die Vernichtung der Bestände könnte gravierende Folgen haben: Sie würde absehbar zu 362.000 unbeabsichtigten Schwangerschaften, 161.000 ungeplanten Geburten, 110.000 unsicheren Schwangerschaftsabbrüchen, und 718 vermeidbaren Todesfällen von Müttern führen [1] und den bereits bestehenden Mangel an Verhütungsmitteln, der sich bereits vielerorts in Stock-Outs zeigt, massiv verschärfen. Insbesondere in Krisen- und Konfliktregionen führen unbeabsichtigte Schwangerschaften oft zu schwerwiegenden Komplikationen mit Todesfolge. Ein selbstbestimmtes Leben bleibt für viele so unerreichbar.
Durch den Wegfall der USAID-Bestände werden lokale Gesundheitssysteme zusätzlich unter Druck gesetzt. Keine Organisation kann diese Lücken kurzfristig schließen! Angebote anderer Organisationen, die Verteilung zu übernehmen, wurden von den USA abgelehnt.
Wir bitten Sie, jetzt entschieden zu handeln und Ihre diplomatischen Möglichkeiten auszuschöpfen, um:
Eine schnelle Intervention kann verhindern, dass diese dringend benötigten Mittel verloren gehen und so erhebliche gesundheitliche und humanitäre Rückschritte eintreten.
Wir danken Ihnen vorab für Ihren Einsatz und stehen Ihnen jederzeit für Rückfragen zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), im Namen der zeichnenden
Organisationen
Anmerkung:
[1] Reproductive Health Supplies Coalition (29.07.2025) RH Alert: The true
cost behind destroying $9.7M of contraceptives.
https://www.rhsupplies.org/news-events/news/rh-alert-the-true-cost-behind-destroying-9-7m-of-contraceptives/
Der offene Brief im PDF-Format mit der Liste der unterzeichnenden
Organisationen ist zu finden unter:
https://www.dsw.org/wp-content/uploads/2025/08/Offener-Brief_Geplante-Vernichtung-Verhuetungsmittel.pdf
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Quelle:
Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW)
Loebensteinstraße 25, 30175 Hannover
Telefon: 05 11 / 94373-0, Fax: 05 11 / 94373-73
E-Mail: hannover@dsw.org
Internet: www.dsw.org
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 29. August 2025
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